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25.10.2018|Bad Soden (Pressemeldung)

Zwei Bad Sodener Sozialdemokraten für ihren Widerstand gegen Hitler posthum geehrt

Zwei aufrechte Bad Sodener Sozialdemokraten, Fritz Lagemann und Johann Malinowski, waren in einer Widerstandsgruppe gegen das Nazi-Regime aktiv. Nun wurden im Gedenken an sie zwei Stolpersteine in Bad Soden verlegt: An der Königsteiner Straße 99 und an der Sulzbacher Straße 8, wo Fritz Lagemann und Johann Malinowski zuletzt vor ihrer Verhaftung durch die Gestapo 1935 wohnten. Bei der Einweihung würdigte die Ortsvereinsvorsitzende Friederike Wiertulla den Einsatz der beiden SPD-Mitglieder für Freiheit und Demokratie.

Bei der Verlegung der Stolpersteine würdigte die Ortsvereinsvorsitzende Friederike Wiertulla den Mut der beiden Sozialdemokraten im Widerstand gegen das Hitlerregime. Gestiftet wurde der Stolperstein für Fritz Lagemann von Gisela Rücker aus Sulzbach. Den Stolperstein für Johann Malinowski spendete Ingelore Fischer.

Gisela Rücker vom SPD-Ortsverein Sulzbach hatte den Stolperstein für Fritz Lagemann gestiftet. Die Inschrift lautet: „Hier wohnte Fritz Lagemann, Jahrgang 1877. Im Widerstand verhaftet 1935, Gefängnis Frankfurt-Preungesheim, misshandelt, gefoltert, entlassen 1937“. Die Sodener Genossin Ingelore Fischer hatte den Stolperstein für Johann Malinowski gespendet. „Hier wohnte Johann Malinowski, Jahrgang 1883. Im Widerstand verhaftet 1935, Gefängnis Frankfurt- Preungesheim, 1936 Börgermoor, Zwangsarbeit, gefoltert, krank entlassen 1937“, heißt es auf seiner Gedenktafel.

Fritz Lagemann und Johann Malinowski hatten ein bewegendes Schicksal. Die Nationalsozialisten verfolgten nach der Machtergreifung nicht nur Juden, Sinti und Roma, sondern auch politisch Andersdenkende auf allen Ebenen, auch in der Kommunalpolitik. Fritz Lagemann und Johann Malinowski waren Mitglieder der SPD und hatten sich bereits viele Jahre in demokratisch gewählten Gremien wie der Gemeindevertretung von Bad Soden engagiert. Zusammen mit über 100 Mitstreitern aus der Region befanden sie sich im politischen Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Bad Soden war seit 1933 Sitz der Kreisleitung der NSDAP und galt in der Region als Nazi-Hochburg. Durch ein Missgeschick flog die Widerstandsgruppe 1935 auf, der Lagemann und Malinowski angehörte. Beide erlebten Folter und Demütigungen, seelisch zwar ungebrochen, aber körperlich gezeichnet. Gleichwohl wurden sie nach dem Krieg wieder kommunalpolitisch tätig und engagierten sich in vorbildlicher Weise für das Gemeinwesen. Durch die Auszeichnung durch die AG Stolpersteine bleibt ihr Einsatz für Freiheit und Demokratie in bleibender Erinnerung.

Fritz Lagemann

Fritz Lagemann wurde 1877 in Westfalen geboren. Er wurde Bergmann. 1902 trat er in die SPD ein. Im ersten Weltkrieg kämpfte er als Soldat. Ab 1918 arbeitete er als SPD-Vertreter im Gemeinderat von Lintfort und später im Kreistag. Mehrere persönliche Schicksalsschläge trafen ihn: Ein Sohn starb im ersten Weltkrieg, seine erste Ehefrau verstarb früh. Durch seine Arbeit untertage bekam er eine Staublunge. Das war der Grund, weshalb er 1926 zur Kur nach Bad Soden kam. Hier lernte er Margarete Hißnauer kennen, die seine zweite Ehefrau wurde. Lagemann blieb in Bad Soden. Im gleichen Jahr wurde er in seiner neuen Heimat Gemeindeschöffe, was heute einer Funktion in der Gemeindevertretung entspräche.

Nach der Machtergreifung begann für Lagemann die Zeit der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Zunächst musste er sich täglich bei der Polizei melden. Im Juni 1933 wurde die SPD verboten. Die noch demokratisch gewählten Gremien wie Kreistag und Gemeindevertretungen wurden aufgelöst. Lagemann hatte den Mut, sich gegen die Nazis aufzulehnen. Er arbeitete in einer regionalen Widerstandsgruppe der SPD mit, gehörte zum illegalen Verteilerring der Zeitung „Sozialistische Aktion“ und nahm an illegalen Treffen der Gruppe teil.

Als die Gruppe 1935 durch ein Missgeschick aufflog, wurden im Oktober 1935 die fünf Bad Sodener Fritz Lagemann , Johann Malinowski, Heinrich Dosse, Herrmann Bender und Karl Sammel verhaftet. Der Gruppe wurde vor dem Oberlandesgericht Kassel der Prozess gemacht. Lagemann wurde zunächst im Gerichtsgefängnis Frankfurt inhaftiert. Vermutlich wurde er dort schon misshandelt und gefoltert. Mit der Begründung „Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilte ihn das OLG zu 20 Monaten Haft. Er konnte die Haftzeit im Gefängnis Frankfurt-Preungesheim überleben. Nach der Haftentlassung 1937 kehrte Fritz Lagemann nach Bad Soden zurück. Natürlich stand er auch weiter unter der Beobachtung der Nationalsozialisten. 1940 wurde er etwa von der Polizei wegen seiner Kontakte zu polnischen Zwangsarbeitern verwarnt.

Nach dem Kriegsende und Zusammenbruch des NS-Regimes übernahm er wieder politische Verantwortung und gehörte von 1946 bis 1948 als SPD-Mitglied der Gemeindevertretung an. Die Stadt Bad Soden ehrte ihn 1955 in dem Nachruf: „Trotz seines Alters hat er sich in der schwersten Zeit, im Jahr 1946 in den Dienst der Allgemeinheit gestellt und war ...zum Wohle unserer Stadt und ihrer Bevölkerung tätig.“

 

Johann Malinowski

Johann Malinowski wurde 1883 in Höchst/Main geboren und absolvierte nach der Volksschule eine Lehre zum Schlosser. Ab 1901 war er gewerkschaftlich organisiert im Deutschen Metallarbeiterverband. Diese gewerkschaftliche Tätigkeit war von 1904 bis 1914 Grund dafür, dass er bei Arbeitgebern auf schwarzen Listen stand und oftmals monatelang ohne Arbeit war. 1904 heiratete Johann Malinowski die Schweizerin Lise Kühfuß, mit der er zwei Söhne und eine Tochter hatte. Seit 1913 lebte die Familie in Bad Soden. 1906 trat Johann Malinowski der SPD bei. Von 1914 bis 1918 war er Soldat im 1. Weltkrieg.

Nach seiner Kriegsrückkehr 1919 nahm er sofort wieder seine Aktivtäten in der Gewerkschaft und der SPD auf. Ab 1921 arbeitete er bei den Main-Kraftwerken und war von 1927 bis 1933 Betriebsratsvorsitzender. Von 1923 bis 1933 war er auch Ortsgruppenvorsitzender der SPD Bad Soden und Mitglied in der Gemeindevertretung. Beides endete 1933 mit der Machtübernahme der Nazis und dem Verbot gewerkschaftlicher Tätigkeiten sowie der SPD im Juni 1933.

Als SPD-Mitglied und seit 1928 auch Mitglied des Reichsbanners „Schwarz-Rot-Gold“ engagierte sich Johann Malinowski nach der Machtübernahme durch die Nazis in der selben Widerstandsgruppe wie Lagemann. , um zwischen Mitgliedern im Inland und dem Exil Nachrichten auszutauschen und Strukturen für eine Nach-Nazi-Zeit aufzubauen.

Im Oktober 1935 flog die Gruppe auf. Johann Malinowski und weitere 62 Genossen aus dem Main-Taunus-Kreis wurden wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt. Johann Malinowski erhielt eine Haftstrafe von 20 Monaten, die er im Gefängnis Preungesheim sowie im KZ Börgermoor verbüßte, wo das berühmte Lied Die Moorsoldaten entstand. Er musste unter schrecklichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten und wurde gefoltert. Die Folgen: Große Narben am ganzen Körper, Leistenbruch, Herzbeschwerden sowie ein gebrochener Unterkiefer, der nur noch flüssige Nahrungsaufnahme zuließ.

Nach seiner Entlassung aus dem KZ im Juni 1937 gingen die Schikanen der Nazis weiter, was dazu führte, dass er lange Zeit ohne Arbeit war. Erst 1945, nach dem langersehnten Ende des Nazi-Regimes, wurde durch den Einzug der Amerikaner in den befreiten Städten und Gemeinden wieder die Führung von – Zitat Malinowski „beherzten Männern (überwiegend Sozialdemokraten)“ - Zitat Ende – übernommen. Johann Malinowski kümmerte sich insbesondere um die Lebensmittelversorgung, die Unterbringung von Heimatvertriebenen sowie den generellen Wohnungsnotstand in der Stadt. Hilfesuchende kamen bis spät abends in seine Wohnung. Er hat sein Privatleben dem Gemeinwohl gewidmet.

Er bekam auch wieder Arbeit bei seinem früheren Arbeitgeber, den Main-Kraftwerken, und war lange Jahre 1. Betriebsratsobmann. Als 1946 die ersten Wahlen nach dem Krieg stattfanden, wurde Johann Malinowski wieder in die Gemeindevertretung von Bad Soden gewählt. Von 1952 bis 1960 gehörte er dem Magistrat der Stadt Bad Soden an, wobei er sich große Verdienste im Wohnungsbau, der Stadtentwicklung und dem Wiederaufbau der Kureinrichtungen erwarb. 1956 wurde ihm die Ehrenbezeichnung „Ehrenstadtrat“ von Bad Soden verliehen. 1960 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande. An seinem 80. Geburtstag wurde ihm der Ehrenring der Stadt Bad Soden übergeben. Nur wenige Tage danach verstarb er.

 

 

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